Nachfolgen, Staffelstabübergabe,
Senior sucht Junior


- unterschiedliche Worte für das Beenden eines Lebensabschnitts und dem Beginn eines neuen. Ein heikles Thema, das in den letzten Jahren Staub aufgewirbelt hat. Wie war oder ist der Erfolg? Wie viele Betriebsinhaber oder -leiter haben Nachfolger/ Nachfolgerinnen gefunden?

Die mir bekannten Ergebnisse mit Nachfolgeregelungen und -möglichkeiten scheinen nicht sehr überzeugend zu sein (Gespräche mit Kammern, Verbänden). Woran liegt es? Zum Teil sicher daran, dass dieses Thema immer wieder im Alltag untergeht, in den alltäglichen Situationen, die die Betroffenen zu bewältigen haben sowie knappe Zeit. Und….. es ist ein sehr persönliches Thema, dem niemand unbedingt "hinterherläuft".

Ich schreibe diesen Artikel aus eigener Betroffenheit und möchte hier auch schildern, wie es mir mit dieser Frage der Nachfolge geht: Ich bin 63 Jahre alt, habe 25 Jahre in der Industrie, in kleinen und großen Unternehmen, gearbeitet - überwiegend im Personalwesen. Seit 15 Jahren bin ich Freiberuflerin und habe 40 Jahre lang meine eigene konsequente Weiterbildung umgesetzt. Seit vielen Jahren profitiere ich bei meiner Arbeit von dieser Vielfalt und Professionalität, aus der ich eigene Arbeits-weisen und Konzepte entwickelt habe. Unter anderem bin ich Wirtschaftsfachfrau, ausgebildete Trainerin, ausgebildete Konfliktmoderatorin und ausgebildete Heilpraktikerin. Und nun stehe ich selbst vor diesem Thema: Weitergeben, was ich mir erarbeitet habe und lebe.

Werde ich gefragt, ob ich Menschen ausbilde, fällt es mir immer noch schwer darauf einzugehen. Ich möchte mich von "meinem Kind", meinen in Jahrzehnten erworbenen beruflichen Fähigkeiten und Kenntnissen, besonders was ich daraus entwickelt habe, nicht trennen. Von meiner leiblichen Tochter habe ich mich leichter lösen können. Zuerst tauchen Fragen auf wie: Wie geht mein Nachfolger/meine Nachfolgerin mit den Inhalten um? Wird sie oder er genau die gleiche "Liebe" und Wertschätzung für diese Arbeit haben? Was passiert mit mir, was geschieht in mir? Wie ist das? Wie gehe ich damit um? Abgeben, teilen? Worauf konzentriere ich mich dann? Dabei bin ich ganz sicher in der glücklichen Lage, meinem Beruf in anderer Qualität und mit weniger Arbeitstagen weiter nachzugehen. Dann wünsche ich mir, dass mein Nachfolger erst einmal nur lernen und kennen lernen will - achtsam und neugierig - was ich entwickelt habe und lebe, bevor sie oder er beginnt, meine Arbeit weiter zu entwickeln. Doch wer will sich die Zeit nur zum Lernen nehmen?

Ich wachse mit jedem Tag, mit jeder Auseinandersetzung mit mir selbst und den Menschen, mit denen ich arbeite und die mich fragen. Und ich merke, meine Bereitschaft wächst, mich zu lösen, wie Klarheit und Struktur auch für die Weitergabe entstehen sowie mehr Leichtigkeit und Freiraum für Neues.

Und das alles soll bei Betriebsinhabern, Unternehmern, Führungskräften in dieser Phase des Abschieds, des Lösens, der Über- oder Weitergabe anders sein? Diese Menschen springen geradezu direkt in die Betriebsübergabe und beschäftigen sich vornehmlich mit finanziellen und juristischen Themen? Diese Themen sind sicher unabdingbar, aber gehören sie wirklich an die erste Stelle? Sollten die Betroffenen vielleicht erst einmal inneren Abschied nehmen von einem mehr oder weniger langen und sehr intensivem Lebensabschnitt?

Und wie sieht es aus mit den Nachfolgern, mit den Junioren? Sind diese Menschen bereit anzuerkennen, was die Vorgänger geschaffen haben? (Es gäbe sonst ja nichts weiterzugeben!). Sind die Junioren bereit, sich für einen bestimmten Zeitraum unterzuordnen, um das, was sie übernehmen, wertzuschätzen, praktisch zu erfahren und geistig zu durchdringen? Und wenn das geschehen ist, ihre Ideen, die Ideen der nächsten Generation einzubringen und umzusetzen. Ich wünsche das allen Beteiligten.

Im Talmud heißt es: "Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie wir sind." Und bieten sich diese Situationen der Übergabe und Übernahme nicht geradezu an, beiden Seiten die Möglichkeiten zu eröffnen, "die Dinge zu sehen, wie sie sind"?

« zurück

Barbara Aßmus
Mobil 0171 / 143 96 94

» info@barbara-assmus.de

Sie haben Fragen? Sprechen Sie mich bitte an: info@barbara-assmus.de