Demenz, Alzheimer und Kriegskindheit,

gibt es hier Zusammenhänge?
Besteht die Möglichkeit, dass diese Krankheitsgeschehen sich über die Jahrzehnte aus der Verdrängung, dem Ausklammern, dem Abspalten dieser Ereignisse entwickeln können?

Untersuchungen der 50 - 70-jährigen in Hamburg ergaben z.B., dass 60 % dieser Menschen durch die Erlebnisse des 2. Weltkrieges traumatisiert sind. Nach wie vor scheint es ein Tabu zu sein, sich der eigenen Trauer und besonders der Kriegs-traumatisierung zu stellen, geht es um das Thema "Kriegskindheit". Es geht um die eigene erlebte Kriegskindheit, es geht um Sterben, Töten, Brände, Flucht ……..Es geht darum, das Erlebte bewusst zu machen, zu erlösen - und das nicht nur psychisch sondern auch physisch.

Es steckt soviel Schmerz, Leid, Entsetzen und Trauer in dieser Kriegskindheit, dass es vielleicht "leichter" ist, sich aus der Welt zurückzuziehen?? Und das ist keine bewusste Entscheidung.
Ich selbst - 63 Jahre alt - bin vor 3 Jahren in meine Kriegskindheit "gestolpert", habe mir einen Trauma-Therapeuten "geleistet", der mich bei der Aufarbeitung meiner Kriegskindheit begleitete und habe ein Jahr getrauert (Ganz sicher nicht ununterbrochen). Ich habe mir erlaubt, mir meine eigene Kriegstraumatisierung anzuschauen. Ich habe mir erlaubt, die eigene Trauer und Traumatisierung zu erlösen und nicht "stellvertretend" zu trauern für meine Eltern. Nach einem Jahr bin ich aus diesem Prozess wieder aufgetaucht und fühle mich leichter und freier.

Gibt es Möglichkeiten, Menschen - bevor sie sich in Alzheimer und Demenz zurück- ziehen - und sie damit auch unerreichbar sind - zu erreichen?
Meine Idee ist, wenn Demenz im Anfangsstadium diagnostiziert wird, diesen Menschen zu empfehlen, sich mit einem Trauma-Therapeuten in Verbindung zu setzen, um zu klären, ob die/der Betroffene sein Trauma bearbeiten möchte.

Wann wollen wir anfangen, unser Schweigen zu überwinden und nicht immer wieder die "Geschichte" unserer Kindheit erzählen, die Menschen immer tiefer in die Traumatisierung treibt? Und endlich das Trauma erlösen? Und das nicht nur psychisch, sondern das Trauma auch physisch aus unseren Zellen holen?
Ich wünsche es jedem Einzelnen. Denn mein Schweigen habe ich auch erst einmal an meine Tochter weitergegeben, bis ich mir nach 60 Jahren erlaubt habe, meine Kriegs-Kindheit mit meinen eigenen Augen anzusehen und nicht mit den Augen meiner Mutter. Meine Tochter "profitiert" inzwischen von diesem Prozess. Denn sie hat in ihren Zellen "Kriegserlebnisse" gespeichert, die nicht zu ihr gehören und die sie jetzt bereinigt - auch, indem sie mich fragt und ich aus einer "erlösten Sichtweise" heraus antworte.

Kann diese kleine Geschichte von Patrick Porter eine Perspektive sein?!:
Ein furchtbarer Sturm kam auf. Der Orkan tobte. Das Meer wurde aufgewühlt und meterhohe Wellen brachen sich ohrenbetäubend laut am Strand. Nachdem das Unwetter langsam nachließ, klarte der Himmel wieder auf. Am Strand lagen unzählige Seesterne, die von der Strömung an den Strand geworfen waren.

Ein kleiner Junge lief am Strand entlang, nahm behutsam Seestern für Seestern in die Hand und warf sie zurück ins Meer. Da kam ein Mann vorbei. Er ging zu dem Jungen und sagte: " Du dummer Junge, was du da machst ist vollkommen sinnlos. Siehst du nicht, dass der ganze Strand voll von Seesternen ist? Die kannst du nie alle zurück ins Meer werden! Was du da tust, ändert nicht das Geringste!"

Der Junge schaute den Mann einen Moment lang an. Dann ging er zu dem nächsten Seestern, hob ihn behutsam vom Boden auf und warf ihn ins Meer. Zu dem Mann sagte er: "Für ihn wird es etwas ändern!"

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Barbara Aßmus
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